Vollkommene Armut als Ausdruck des Vertrauens in die überströmende Liebe Gottes hat außer Jesus kaum einer so zu leben gewagt wie Franz von Assisi: freiwillige Armut in brüderlicher Gemeinschaft als Heilmittel für eine am Geld (“Mammon”) kranken Welt, die dadurch immer mehr zugrunde gerichtet wird, Liebe zu allen Mitmenschen und zur ganzen Schöpfung.
Es ist wichtig, den Grund zu sehen, warum Franziskus in Armut und mit großer Achtung für die Menschen und die Natur lebte; es ist die Liebe (Gottes) von der er erfüllt ist und die ihm das nötige Vertrauen gibt.
Hier ist auch zu betonen, daß es zwischen Reichtum und dem Umgang mit unserer Umwelt einen Zusammenhang gibt. Die Reichen dieser Welt belasten die Umwelt am meisten. Wenn Franz von Assisi in Anspruchslosigkeit lebte, so zeigte er damit auch einen Weg zur Erhaltung unserer Natur und Umwelt und zu mehr Gerechtigkeit weltweit. Er ist daher nicht zu Unrecht zu einer Art Heiligen der Naturschützer geworden.
Franz von Assisi ist auch deswegen bis heute interessant, weil er eine Art “Prototyp” für das “Aussteigen”, für den Wechsel vom “Überfluß an Sachen” zu “überfließender Liebe zu Gott und allen Geschöpfen” ist.
Rasch begab er sich in ein Gemach des Bischofs, entledigte sich aller seiner Kleider und kam nackt zurück. Er legte Kleider und Geld vor dem Bischof und vor seinem Vater in Gegenwart aller andern nieder und sprach: “Hört, ihr alle, und versteht es wohl: bis jetzt nannte ich Pietro Bernardone meinen Vater. Aber da ich nun den Vorsatz habe, dem Herrn zu dienen, gebe ich ihm das Geld zurück, um das er sich aufgeregt hat, nebst allen Kleidern, die ich aus seinem Eigtentum besitze. Von nun an will ich nur noch sagen: Vater unser, der du bist im Himmel, nicht mehr: Vater Pietro Bernardone.”
Der Vater erhob sich, und voll Schmerz und Zorn nahm er das Geld und die Kleider an sich. Der Bischof aber hatte Franz aufmerksam beobachtet und war voller Bewunderung über solchen Eifer und solche Festigkeit. Er schloß ihn in seine Arme und hüllte ihn in seinen Mantel. Ihm war klar: die Tat des jungen Mannes war der Eingebung Gottes entsprungen.Dreigefährtenlegende, ca. 1250
1182 Geboren in Assisi/Mittelitalien; einziger Sohn des reichen Kaufmanns Pietro Bernardone; Star der jungen Generation.
1202 Franziskus nimmt am Krieg zwischen Assisi und Perugia teil: Gefangenschaft: Krankheit, Jahre des Suchens, Franziskus gewinnt nach und nach Klarheit über die Berufung seines Lebens.
1205 (Ende) In San Damiano hört er das Kruzifix zu sich sprechen: “Franziskus, geh und stelle meine Kirche wieder her, die zu zerfallen droht.” In Foligno verkauft er einige Stoffballen und schenkt den Erlös dem Priester von San Damiano. Der aber weist das Geld zurück. Franziskus gerät mit seinem Vater in Konflikt.
1206 Bruch mit seinem Vater, dramatische Szene vor dem Bischofspalast. Franziskus zieht sich nackt aus und dokumentiert seine radikale Hinwendung zur Armut.
1206 (Sommer bis 1208 Februar) Franziskus baut eigenhändig San Damiano, eine Peterskapelle und das Kirchlein von Portiuncula wieder auf.
1208 (24. 2.) Franziskus hört in Portiuncula am Fest des heiligen Matthias das Evangelium des Tages (Mt 10, 5-15) und findet darin seine eigentliche Berufung zur evangelischen Armut. Er ändert sein Kleid, bahält nur eine einzige Kutte und ersetzt den Ledergürtel durch einen Strick. Jetzt beginnt er auch zu predigen.
Die ersten Brüder sammeln sich um ihn. Leben in äußerster Armut … Ihr Reden von Gott: Jesus liebt euch. Brüderlichkeit, Einfachheit, Freude …
1210 Papst Innozenz III. bestätigt die Regel der “minderen Brüder”.
1219 Reise nach Ägypten. Predigt vor Kreuzfahrern und dem Sultan: Gott liebt alle Menschen. Macht Frieden!
1223 Fast 40.000 Brüder. Eine Welle, die ganz Europa überschwemmt … Regel der Minderen Brüder: Unseres Herrn Jesus Christus heiliges Evangelium leben … Verbot an die Brüder, Waffen zu tragen.
1225 Krank, fast erblindet, dichtet Franziskus den Sonnengesang, den Lobpreis auf Gottes gute Schöpfung.
1226 Franziskus stirbt am Abend des 3. Oktober.
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