Kirchtürme prägen das Stadtbild – an der Donau
Entwicklung
- Seit 6. Jh. in Italien: Campanile (campana – Glocke), z. B. Sant’ Apollinare Nuovo in Ravenna
Appollinare Nuoavo
Florenz
Venedig
Pisa - Seit 11. Jh.: Kirchengebäude mit Turm (integriert, angebaut) ist Grundschema, für Stadtbilder prägend.
- Seit 12. Jh. Dominanz der Westtürme (des einen Westturms).
Notre Dame Paris 1
Notre Dame Paris 2 - Entstehung der Doppelturmfassade in Frankreich und Verbreitung in der Gotik in ganz Europa.
- Teilweise Verzicht auf Kirchtürme in italienischer Renaissance aus äthetischen Gründen (Proportionen).
- Erneut Doppelturmfassaden im deutschen Barock.
- Wichtigkeit der Turmbauten in Neogotik (Konkurrenz zu profanen Bauten), Turmvollendungen (z. B. Ulm, Köln).
Dom von Köln - 20. Jh.: Verzicht auf Türme, neue Bauformen, Campanile
Autobahnkirche Baden Baden
Donaucity-Kirche Wien
Mutter Theresa-Kirche Prag
Pueblo Serena-Kirche Mexiko
Wanaka Catholic Church Neuseeland
Positionen des Turms/der Türme
- am häufigsten am dem Hauptaltar gegenüberliegenden Ende des Kirchenschiffs, also im Westen (Ostung der Kirchen)
Lohr am Main
St. Jakobus in Schifferstadt - seit 18. Jh. Verzicht auf Ostung aus städtebaulichen Gründen
- seitliche angebauter Turm
Freistadt - freistehender Turm
Heiliger Bruder Klaus Schoren - zwei bis fünf ca. gleich hohe Türme
Bamberg - Stephansdom Wien
Foto
Grundriss
Funktionen
Geläut
Traditionell trugen Kirchtürme mehrere Kirchenglocken. Kleine Glocken mit hohem Klang waren die Sturmglocke, Feuerglocke und die Totenglocke. Die großen Glocken sind im Klang harmonisch aufeinander abgestimmt. Große Glocken können eine erhebliche Belastung für das Mauerwerk darstellen. Daher gibt es verschiedene Arten der Glockenaufhängung. Bei der verbreitetsten pendelt die Glocke an der Achse hin und her und der Klöppel schwingt gemeinsam mit der Glocke als Doppelpendel. In manchen Kirchtürmen des Mittelmeerraums sind die Glocken fest aufgehängt, und nur die Klöppel pendeln hin und her.
Pummerin
Läutern der Pummerin
Zeitanzeige
Uhren mit Ziffernblatt, Glockenschlag zur akkustischen Zeitanzeige
Turmuhr der Martinskirche Landshut
Aussichtspunkte
Türmer
In mittelalterlichen Städten gab es in mindestens einem der höchsten Kirchtürme eine Wohnung für den Türmer, der nach Feuer und Feinden Ausschau hielt. Erst im späten 19. Jahrhundert wurde das Amt des Türmers allgemein abgeschafft.
Spiritualität
Geodäsie
Für Geodäten sind Kirchtürme ideale Festpunkte, die eindeutig zuzuordnen und leicht verfügbar sind. Seitlich des Eingangs befindet sich oft ein Turmbolzen, der als stabiler Nivellementpunkt dienen kann. Diese Funktion war am Ende des Zweiten Weltkriegs gelegentlich ein Grund, warum Kirchtürme von der deutschen Wehrmacht gesprengt wurden, sie sollten nicht der Orientierung der heranrückenden alliierten Truppen dienen (beispielsweise Kirche Berlin-Malchow).
Weitere Funktionen von Türmen
Wehr- und Fluchtturm (Wehrkirchen)
Wartberg/Eggenburg
Aspang
In Meeresnähe als Seezeichen oder Leuchtturm
Telegrafenstation in der nur wenige Jahrzehnte währenden Zeit der optischen Telegrafen
Wasserturm
Symbol kommunalen Ehrgeizes
Die auf Demut und Bescheidenheit zielenden Orden der Zisterzienser, Dominikaner und Franziskaner erließen ein Verbot von Kirchtürmen für ihre Klöster.
Franziskanerkirche Rothenburg ob der Tauber
Dominikanerkirche Retz
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